Schwimmbadkrise in Deutschland: Fakten, Zahlen und die Folgen für Kinder und Schwimmvereine

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Von Udo Valerius

17 Juni 2026

Schwimmlexikon: Schwimmbecken mit Bahnen als Symbolbild

Die Schwimmbadkrise Deutschland spitzt sich dramatisch zu: Jedes Jahr schließen rund 80 Schwimmbäder, und ein Ende ist nicht in Sicht. Was auf den ersten Blick wie ein lokales Problem klingt, ist in Wirklichkeit eine strukturelle Krise mit weitreichenden Folgen für die Sicherheit von Kindern, für Schwimmvereine und das Schulschwimmen. Auch in Rheinland-Pfalz verschärft sich die Lage. Und ein Blick ins Ausland zeigt: Es ginge auch anders. Ein faktenbasierter Überblick.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel ist kein Angriff auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Verwaltungen. Die meisten von ihnen arbeiten engagiert unter schwierigen Bedingungen. Dieser Artikel richtet sich gegen Strukturen, nicht gegen Personen – und er soll zum Nachdenken anregen und Überlegungen anstoßen. Denn was gestern als richtig galt, muss es heute nicht mehr sein. Gesellschaft und Anforderungen verändern sich. Gute Verwaltung bedeutet, diesen Wandel zu erkennen und mutig mitzugestalten.

~2.000
Bäder geschlossen
seit 2000
12 Mrd. €
Investitions­rückstand
bundesweit
60 %
Grundschüler schwimmen
nicht sicher
411
Badetote 2024
Höchststand

Das Ausmaß der Schwimmbadkrise in Deutschland

Im Jahr 2000 gab es laut DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) bundesweit noch rund 7.800 öffentliche Schwimmbäder. Heute sind es laut Bäderatlas der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen noch etwa 5.800 bis 6.000 ein Verlust von rund 2.000 Bädern in 25 Jahren. Die DLRG geht davon aus, dass jährlich etwa 80 Bäder schließen. Ohne umfassende Investitionen könnten in den nächsten drei bis vier Jahren weitere rund 800 Schwimmbäder schließen müssen das entspräche fast jedem siebten verbleibenden öffentlichen Bad (Quelle: DLRG, Januar 2025).

Der Sanierungsstau: Milliarden fehlen

Der eigentliche Kern der Krise ist finanziell. Der bundesweite Investitionsrückstand bei öffentlichen Schwimmbädern liegt laut DLRG bei rund 12 Milliarden Euro. Beim Förderaufruf des Bundes zur „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gingen Anträge im Wert von 7,5 Milliarden Euro ein bei einem Fördertopf von gerade einmal 333 Millionen Euro (Quelle: DSV, 2026).

Die Bäderallianz Deutschland ein Zusammenschluss von 16 Verbänden, darunter DLRG, Deutscher Schwimm-Verband, DRK-Wasserwacht und Deutscher Kanu-Verband hat im Juli 2025 einen nationalen Schwimmbadplan vorgelegt. Die Forderung: Der Bund soll 1 Milliarde Euro jährlich über 12 Jahre für Neubau, energetische Sanierung und Modernisierung bereitstellen. Davon sollen 700 Millionen Euro jährlich als direkte Förderung an Kommunen fließen (Quelle: Bäderallianz Deutschland, Juli 2025 / Zeit.de, 03.07.2025).

Bislang hat der Bund das Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten Schwimmbäder“ mit 250 Millionen Euro ausgestattet ein erster Schritt, aber weit unter dem tatsächlichen Bedarf.

Ursachen der Schwimmbadkrise Deutschland: Finanzstruktur als Kernproblem

Schwimmbäder waren schon immer ein Zuschussgeschäft für Kommunen aber die Kosten sind zuletzt massiv gestiegen. Ein typisches Freibad verursacht rund 1 Million Euro Betriebskosten pro Jahr. Die Eintrittsgelder decken davon im Durchschnitt nur etwa ein Drittel. Den Rest muss die Gemeinde aus dem eigenen Haushalt beisteuern. Laut DStGB liegen die Kostendeckungsgrade bei Hallenbädern bei gerade einmal rund 35 Prozent.

Verschärft wird die Lage durch gestiegene Energiepreise, höhere Personalkosten durch gesetzliche Arbeitszeitregelungen sowie wachsende Anforderungen an Ausstattung und Sicherheit. Dazu kommt: Die Kommunen in Deutschland verzeichneten 2024 laut Statistischem Bundesamt ein Rekorddefizit von rund 25 Milliarden Euro. In dieser Haushaltslage ist das Schwimmbad oft das Erste, was gestrichen wird.

Laut einer VKU-Umfrage aus dem Juni 2025 erwägen 16 Prozent der Freibäder kurz- oder mittelfristig eine Schließung, 35 Prozent erhöhten bereits die Eintrittspreise.

Schwimmbadkrise Deutschland: Die Lage in Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz ist von der Schwimmbadkrise Deutschland besonders betroffen. Seit dem Jahr 2000 wurden im Land laut Landtag-Anfragen mindestens 43 Schwimmbäder geschlossen. Nur noch rund 61,8 Prozent der Grundschulen können überhaupt Schulschwimmen anbieten (Quelle: blick-aktuell.de, 2019 – seitdem verschlechterte sich die Lage weiter). Im Schuljahr 2017/2018 fand an rund 38 Prozent der Grundschulen in Rheinland-Pfalz kein Schwimmunterricht statt (Quelle: LSB Rheinland-Pfalz).

Die DLRG Rheinland-Pfalz warnt explizit: Ausbildungsangebote gehen drastisch zurück, Wartelisten werden länger und Schulschwimmen als Schulsport findet vielfach nicht mehr statt. Kinder, die schwimmen lernen wollen, warten laut DLRG zwei bis drei Jahre auf einen Kursplatz (Quelle: DLRG RLP / n-tv.de, 04.05.2024).

Aktuelle Beispiele zeigen, wie konkret die Lage ist: Das Hallenbad der IGS Nastätten ist laut Rhein-Zeitung (Dezember 2025) sanierungsbedürftig bis baufällig ein Neubau wäre für die Gemeinde kaum finanzierbar. Auch die Zukunft der Bäder in Wörth am Rhein ist ungewiss (Die Rheinpfalz, April 2026). Positiv zu vermelden: 14 Projekte in Rheinland-Pfalz profitieren von der ersten Tranche des Bundesprogramms mit einem Fördervolumen von rund 17,5 Millionen Euro (LSB Rheinland-Pfalz, April 2026).

Folge der Schwimmbadkrise Deutschland: Immer mehr Kinder können nicht schwimmen

Die dramatischste Folge der Schwimmbadkrise zeigt sich bei den Kindern. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage der DLRG aus dem Jahr 2022 können 20 Prozent der Kinder zwischen 6 und 10 Jahren gar nicht schwimmen. Bis zu 60 Prozent der Viertklässler schwimmen nach aktuellen DLRG-Schätzungen (2025/2026) nicht sicher. Die Wasserwacht Bayern nennt dieselbe Zahl für ihr Bundesland: „Bis zu 60 Prozent der Zehnjährigen können heute nicht mehr sicher schwimmen“ (Quelle: BR24, Juli 2025).

Die Zahlen beim Seepferdchen-Abzeichen bestätigen den Trend: 2025 erhielten bundesweit nur noch 53.660 Kinder ihr Seepferdchen bei der DLRG fast 4.000 weniger als im Vorjahr (Quelle: DLRG, April 2026). Immer weniger Hallenbäder bedeuten immer weniger Kapazitäten für Schwimmkurse und Schulschwimmen ein Teufelskreis, der sich Jahr für Jahr verschärft.

Mehr Badetote: Die tödlichen Folgen des Schwimmbadsterbens

Die sinkende Schwimmfähigkeit schlägt sich direkt in der Badetoten-Statistik nieder. Die Entwicklung ist alarmierend:

📊 Badetote in Deutschland – Entwicklung

2021299
2022356
2023380
2024411 ⚠️
2025393

+37 % Anstieg von 2021 bis 2024 · Quelle: DLRG, März 2026

Mehr als 75 Prozent der Ertrunkenen sind Männer, jeder fünfte Badetote ist unter 30 Jahre alt. Die DLRG nennt als Hauptursachen: fehlende Schwimmfähigkeit (vor allem bei Kindern und Migranten), Selbstüberschätzung junger Männer sowie häufigere Hitzewellen, die mehr Menschen in ungesicherte Gewässer treiben gerade weil Schwimmbäder fehlen oder zu teuer werden (Quelle: BR24, Juli 2025).

Was das für Schwimmvereine bedeutet

Schwimmvereine stehen durch die Schwimmbadkrise Deutschland unter massivem Druck. Weniger Hallenzeiten, steigende Mietkosten für Schwimmbahnen und ein dramatischer Rückgang der Nachwuchsschwimmer sind die Folgen. Kinder kommen heute mit deutlich schlechteren Schwimmkenntnissen zum Verein das Seepferdchen ist oft der einzige Nachweis schwimmerischer Grundfähigkeit, reicht aber bei weitem nicht für den Vereinssport.

In Rheinland-Pfalz berichten Schwimmvereine von monatelangen bis jahrelangen Wartelisten für Schwimmkurse. Die Nachfrage nach Schwimmausbildung ist so hoch wie nie doch die Kapazitäten im Wasser schrumpfen. Vereine müssen ihre Trainingszeiten mit Schulen, Schulschwimmen, Rehasport und Aquafitness teilen, was kaum Raum für die systematische Nachwuchsarbeit lässt.

Dazu kommt: Viele Kommunen, die ein Hallenbad schließen, kündigen gleichzeitig die Nutzungsverträge mit örtlichen Schwimmvereinen. Vereine, die seit Jahrzehnten in der Jugendarbeit aktiv sind, verlieren so über Nacht ihre Trainingsstätte ohne Perspektive auf Ersatz.

Schwimmen lernen: Warum es wichtiger ist denn je

Schwimmen ist eine lebensrettende Grundfertigkeit keine Freizeitbeschäftigung. Das macht die Krise so ernst. Wer als Kind nicht sicher schwimmen lernt, gehört statistisch zu den gefährdetsten Personen bei Badeunfällen. Die DLRG fordert deshalb: Schulschwimmen muss verbindlicher Bestandteil des Grundschulunterrichts sein. Dafür braucht es Hallenbäder in erreichbarer Entfernung, zu vertretbaren Kosten.

Schwimmvereine wie die White Sharks e.V. leisten in diesem Umfeld unverzichtbare Arbeit: Sie bieten nicht nur Leistungssport, sondern auch Schwimmausbildung und Breitensport und fangen damit auf, was Schule und öffentliche Bäder immer weniger leisten können. Gleichzeitig kämpfen auch Vereine mit den Folgen der Krise: knappe Wasserzeiten, steigende Hallenkosten und ein Nachwuchs, der immer später ins Schwimmbad kommt.

Systemfragen: Warum verfallen unsere Schwimmbäder wirklich?

Die Schließungswelle bei deutschen Schwimmbädern ein Kernproblem der Schwimmbadkrise Deutschland hat keine einfache Erklärung. Sie ist das Ergebnis struktureller Fehler im kommunalen System politischer Fehlentscheidungen, falscher Prioritäten und einer Verwaltungslogik, die an der Realität vorbeiläuft. Diese Systemfragen sind entscheidend, um die Schwimmbadkrise Deutschland wirklich zu verstehen. Sechs Antworten:

1. Warum verfallen unsere Schwimmbäder?

Der Kern des Problems: Schwimmbäder sind eine freiwillige Aufgabe der Kommunen keine Pflichtaufgabe. Das bedeutet: Wenn eine Gemeinde sparen muss, sind Schwimmbäder das erste, was gestrichen wird. Viele der heute maroden Bäder wurden in den 1970er Jahren gebaut und seitdem kaum grundlegend saniert.

Der Grund ist nicht mangelnde Einsicht, sondern fehlendes Geld: Laut dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) stammen schätzungsweise 30–40 Prozent aller deutschen Schwimmbäder noch aus den 1960er und 1970er Jahren. Die nötige Grundsanierung kostet Millionen und die Kommunen haben sie schlicht nicht. Bei klammer Haushaltslage wird nicht repariert, sondern abgewartet bis das Bad gar nicht mehr zu retten ist. Ein zentraler Treiber der Schwimmbadkrise Deutschland.

2. Warum wird nicht dauerhaft renoviert und der Bestand geschützt?

Die Schwimmbadkrise Deutschland hat auch eine Finanzierungsursache: Schwimmbäder gelten im kommunalen Haushalt als Zuschussbetriebe ohne Pflicht. Jedes öffentliche Hallenbad kostet im Schnitt 1–3 Millionen Euro jährlichen Betriebszuschuss. Unter dem Druck der Schuldenbremse und sinkender Steuereinnahmen werden Investitionen immer wieder verschoben das Prinzip des „Sanierungsstaus“. Laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) ist erst 2026 ein Bundesprogramm mit 250 Millionen Euro für kommunale Schwimmbäder gestartet – das entspricht gerade einmal 2 Prozent des geschätzten Gesamtbedarfs von 12 Milliarden Euro. Ein Tropfen auf den heißen Stein.

3. Warum wird Leerstand geduldet und erhalten Vereine diese Zeiten nicht?

Das ist einer der schmerzhaftesten Widersprüche der Schwimmbadkrise Deutschland: Hallenbäder stehen tagsüber oft leer – während Schwimmvereine auf Wartelisten sitzen und Kinder keinen Kursplatz bekommen. Der Grund ist bürokratisch: Belegungspläne werden zentral von der Stadtverwaltung erstellt, ohne direkten Kontakt zur Realität des Vereinsbetriebs. Öffnungszeiten für den öffentlichen Badebetrieb werden aus Tradition und Gewohnheit reserviert auch wenn die tatsächliche Besucherfrequenz gering ist. Vereine dagegen brauchen planbare, feste Bahnenzeiten die ihnen die Verwaltung aber nicht kurzfristig zuteilen kann oder will, weil das interne Prozesse, Haftungsfragen und Personalplanung berührt. Das Ergebnis: Wasserzeit steht leer, während Schwimmer und Nichtschwimmer auf Kapazität warten.

4. Warum werden Zeiten für eine Öffentlichkeit reserviert, die vielleicht gar nicht kommt?

Kommunale Hallenbäder sind nach wie vor auf das Modell des öffentlichen Badebetriebs ausgerichtet – ein Konzept aus den 1960er bis 1980er Jahren, als das „Familienbad“ gesellschaftliche Normalität war. Heute nutzen viele Hallenbäder dieses Angebot kaum noch. Trotzdem werden Belegungszeiten für den öffentlichen Schwimmbetrieb freigehalten auch wenn die tatsächliche Auslastung minimal ist. Hintergrund ist die kommunale Pflicht zur Daseinsvorsorge und die Angst vor Beschwerden der Bevölkerung, wenn das Bad nicht „öffentlich zugänglich“ bleibt. Das Resultat: Die Bahn steht leer. Der Verein, der direkt daneben sechs Kinder unterrichtet, darf sie nicht nutzen weil offiziell öffentliches Schwimmen „stattfinden könnte“.

5. Warum verwalten Vereine die Sportstätten in Deutschland nicht selbst?

Die Frage, ob Sportvereine Hallenbäder in eigener Trägerschaft betreiben könnten, ist nicht neu und die Antwort zeigt, wie komplex die Realität ist. Laut einer Broschüre der DLRG „Öffentliche Bäder Möglichkeiten des Erhalts“ funktionieren Vereinsbetriebe dann, wenn der übernehmende Verein die Einrichtung auf Grundlage eines professionellen Umfelds führt: mit ausgebildetem Fachpersonal, gesicherter Finanzierung und klaren Haftungsregelungen. Doch genau daran scheitern viele Vereine nicht an fehlender Motivation, sondern an fehlenden Ressourcen und fehlender Unterstützung. Ein Schwimmbad zu betreiben bedeutet: Wasseraufbereitung, Energiemanagement, Brandschutz, Arbeitssicherheit, Kassenführung, Reinigung alles nach gewerblichem Standard. Das überschreitet die ehrenamtlichen Kapazitäten der meisten Vereine erheblich.

6. Warum werden Sportstätten von Verwaltungen totverwaltet ohne Fachwissen?

Das ist die wohl unbequemste Wahrheit: Kommunale Verwaltungen verwalten Sportstätten oft ohne ausreichendes sportfachliches Know-how. Badbetrieb, Trainingsbedarfe, Vereinsstrukturen und pädagogische Anforderungen spielen in kommunalen Belegungs- und Haushaltsentscheidungen kaum eine Rolle. Entschieden wird nach Verwaltungslogik: Gleichbehandlung, Haftungsminimierung, Bürokratie. Dass ein Schwimmverein mit 400 Mitgliedern, 12 Trainingsgruppen und 80 Wartelistenkindern eine andere Priorität verdient als ein halbbesetzter Aquafitness-Kurs der Volkshochschule das findet in vielen Städten keinen Raum.

Hinzu kommt die fehlende politische Gewichtung des Sports als Bildungs- und Gesundheitsthema. Wer dagegen anspricht, gilt schnell als „Lobbyist“ für seinen Verein nicht als Stimme für öffentliche Daseinsvorsorge. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hat deshalb 2024 offiziell gefordert: „Schwimmbäder müssen endlich kommunale Pflichtaufgabe werden“ (DSV, Oktober 2024). Die Forderung wurde von der gesamten DOSB-Mitgliederversammlung einstimmig unterstützt (Dezember 2025). Bisher ohne konkretes Ergebnis auf Bundesebene obwohl NRW 2025 als erstes Bundesland einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht hat. Solange das so bleibt, verschärft sich die Schwimmbadkrise Deutschland weiter.

Kurz gesagt: Die Schwimmbäder verfallen, weil sie politisch nicht als Pflicht, sondern als Nice-to-have behandelt werden. Weil Verwaltungen Leerzeiten horten statt Vereine einzubinden. Weil Sportkompetenz in Rathäusern fehlt. Und weil Ehrenamt und Bürokratie strukturell nicht zusammenpassen obwohl sie es könnten, wenn der politische Wille vorhanden wäre.

⭐ NEU: Wie machen es andere? Vereinsbetrieb von Sportstätten im Ausland als Perspektive

Ein Blick über die Grenzen zeigt: Dort, wo Vereine Sportstätten selbst betreiben, entstehen oft lebendigere, effizientere und nachhaltigere Lösungen als unter rein kommunaler Regie. Das ist kein Zufall sondern das Ergebnis jahrzehntelanger politischer Weichenstellungen, die in Deutschland so nie stattgefunden haben.

Niederlande: Vereine als Träger mit staatlicher Unterstützung

In den Niederlanden ist die eigenständige Verwaltung von Sportstätten durch Vereine weit verbreitet. Laut einer Studie von Breuer et al. (2017) im Auftrag des Europäischen Verbands für Sport in der Gesellschaft (EASS) betreiben rund 53 Prozent der niederländischen Sportvereine ihre Sportstätten in eigener Trägerschaft Schwimmbäder eingeschlossen. Der Staat stellt dafür strukturierte Förderprogramme bereit, Haftungsrahmen sind klar geregelt, und die Vereine erhalten professionelle Beratung beim Übergang in die Eigenverantwortung. Das Ergebnis: deutlich höhere Auslastung, bessere Anpassung an lokale Bedarfe und eine stärkere Bindung der Vereinsmitglieder an die Einrichtung.

England: Community Trusts als bewährtes Modell

In England hat sich das Modell der Community Trusts seit den 1980er Jahren als Alternative zur kommunalen Verwaltung etabliert. Dabei werden Sportstätten darunter auch Hallenbäder an gemeinnützige Organisationen übertragen, die von Vereinen, Bürgerinnen und lokalen Institutionen gemeinsam getragen werden. Sport England fördert dieses Modell aktiv: Die Trusts erhalten Anschubfinanzierung, steuerliche Vergünstigungen und Managementunterstützung. Heute betreiben in England Hunderte solcher Trusts kommunale Sportanlagen mit nachweislich geringeren Betriebskosten und höherer Nutzerzufriedenheit als unter direkter Kommunalverwaltung (Quelle: Sport England, 2023 / Bundestag WD-8-063-24, 2024).

Skandinavien: Vereine als Teil des Wohlfahrtsstaats

In Schweden, Norwegen und Dänemark ist die Selbstverwaltung von Sportstätten durch Vereine historisch gewachsener Bestandteil des Wohlfahrtsstaats. Vereine gelten dort als zivilgesellschaftliche Träger von Bildung und Gemeinschaft und erhalten entsprechend staatliche Unterstützung, ohne dabei ihre Eigenverantwortung zu verlieren. Schwimmvereine betreiben vielerorts Bäder eigenständig, oft in Kooperation mit Schulen und Gemeinden. Die Finanzierung erfolgt über eine Kombination aus Mitgliedsbeiträgen, kommunalen Zuschüssen und nationalen Sportfördermitteln. Entscheidend ist: Der Staat vertraut den Vereinen und stattet dieses Vertrauen mit verlässlichen Strukturen aus (Quelle: DOSB-Studie zum Europäischen Sportmodell, 2023).

Was Deutschland daraus lernen könnte

In Deutschland gibt es durchaus Beispiele, die zeigen, dass Vereinsbetrieb funktioniert wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das Freibad Siebenlehn in Sachsen wurde 2012 von einem Bürgerverein übernommen und durch ehrenamtliches Engagement gerettet. In Minden übernahm ein Förderverein das kommunale Familienbad. In Köln wird das Unibad durch eine Genossenschaft betrieben. Diese Projekte sind keine Ausnahmen sie sind Blaupausen, die zeigen: Es geht. Was fehlt, ist kein Mut der Vereine. Was fehlt, sind klare gesetzliche Rahmenbedingungen, finanzielle Anschubhilfe, Haftungsschutz und politischer Wille, Vereine als echte Partner nicht als Lückenbüßer zu behandeln.

⭐ NEU: Fehlt uns in Deutschland der Mut – oder fehlt der Wille?

Die Beispiele aus den Niederlanden, England und Skandinavien zeigen: Es ist möglich, Sportstätten erfolgreich in Vereins- oder Bürgerhand zu geben. Es ist möglich, Verwaltung und Zivilgesellschaft als echte Partner zu denken. Es ist möglich, dass ein Schwimmbad nicht schließt, weil ein Verein es trägt mit Leidenschaft, Fachwissen und dem Rückhalt seiner Mitglieder.

Warum funktioniert das in Deutschland so selten? Liegt es am fehlenden Mut an der Angst, bewährte Strukturen aufzugeben, Verantwortung abzugeben, neue Wege zu gehen? Oder fehlt schlicht der politische Wille, Vereine als gleichwertige Partner in der Daseinsvorsorge anzuerkennen?

Die Frage ist berechtigt. Denn während anderswo Vereine Bäder retten, diskutiert Deutschland noch über Zuständigkeiten. Während Community Trusts in England Hunderte von Anlagen erfolgreich betreiben, scheitern deutsche Vereine an Haftungsfragen und fehlenden Förderprogrammen. Das muss sich ändern. Nicht weil es einfach ist sondern weil es notwendig ist. Was gestern als selbstverständlich galt, muss heute neu gedacht werden. Und der erste Schritt dazu ist die Bereitschaft, überhaupt zu fragen: Geht es auch anders?

💬 „Schwimmen kann Leben retten. Und dafür muss das Wasser erreichbar sein.“

Fazit: Die Schwimmbadkrise ist keine Randerscheinung

Die Schwimmbadkrise in Deutschland ist real, strukturell und gefährlich. Der Sanierungsstau beläuft sich auf bis zu 12 Milliarden Euro, jedes Jahr schließen rund 80 Bäder, 60 Prozent der Grundschulkinder schwimmen nicht sicher und die Zahl der Badetoten liegt trotz eines leichten Rückgangs 2025 auf einem historisch hohen Niveau. Auch Rheinland-Pfalz ist betroffen: geschlossene Bäder, ausfallendes Schulschwimmen, jahrelange Wartelisten.

Die Politik hat das Problem erkannt aber die bisherigen Mittel reichen bei weitem nicht aus. Was es braucht, sind verlässliche, langfristige Investitionen gegen die Schwimmbadkrise Deutschland und ein Umdenken, das Vereine als Partner ernst nimmt. Denn Schwimmen kann Leben retten. Und dafür muss das Wasser erreichbar sein.

Quellen: DLRG (Statistik Ertrinken 2025, Pressemitteilungen Januar/Juli 2025), Bäderallianz Deutschland (Schwimmbadplan Juli 2025), DSV (Pressemitteilungen 2026), BR24 (Juli 2025, Mai 2025), VKU-Umfrage (Juni 2025), Statistisches Bundesamt (April 2026), Landtag Rheinland-Pfalz (Drucksachen), LSB Rheinland-Pfalz, DLRG Landesverband Rheinland-Pfalz, Rhein-Zeitung (Dezember 2025), Die Rheinpfalz (April 2026), Breuer et al. (2017) EASS-Studie, Sport England (2023), Bundestag WD-8-063-24 (2024), DOSB-Studie Europäisches Sportmodell (2023).

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