Wende und Unterwasserphase Schwimmen – Kurz zusammengefasst: Die Wende und die anschließende Unterwasserphase sind biomechanisch das effizienteste Segment eines Schwimmrennens.
Wer hier Zeit verliert, kann sie auf der Freistrecke kaum mehr aufholen – denn diese Phase wird im Training am häufigsten vernachlässigt.
Was ist die Unterwasserphase beim Schwimmen?
Beim Thema Wende und Unterwasserphase Schwimmen dreht sich alles um diesen entscheidenden Moment nach der Wandberührung.
Nach jeder Wende – ob Rollwende im Freistil, Backstroke-Wende oder Schmetterlingsanschlag – folgt die sogenannte Unterwasserphase (englisch: underwater dolphin kick phase, kurz UDK).
Der Schwimmer streckt den Körper in eine hydrodynamische Stromlinienposition (Streamline).
Dann folgen mehrere Delfinschläge, bevor er auftaucht und zur Oberflächentechnik wechselt.
Diese Phase ist durch Wettkampfregeln begrenzt: Im Freistil und Rücken darf der Kopf maximal 15 Meter unter Wasser verbleiben.
Erfahrene Wettkampfschwimmer nutzen diese gesamte Distanz strategisch aus.
Was sagt die Wissenschaft? Studien zur Wende und Unterwasserphase
Die sportwissenschaftliche Forschung der letzten zwei Jahrzehnte belegt eindrücklich, welchen Stellenwert Wende und Unterwasserphase im Hochleistungsschwimmen einnehmen.
Wende als Schlüsselfaktor der Gesamtleistung: Eine vielzitierte Studie von Morais et al. (2019, Sports Biomechanics) analysierte Start- und Wendeleistungen von Eliteschwimmern bei der EM 2016.
Das Ergebnis: Die Wendeleistung ist in allen vier Schwimmstilen statistisch signifikant mit dem Gesamtrennergebnis korreliert.
Insbesondere bei 100-m-Rennen kann die Wende den Unterschied zwischen Medaillenrang und Ausscheiden ausmachen.
Aktuelle Olympia-Analysen und die 60-Prozent-Regel
Aktuelle Olympia-Daten belegen: Wende und Unterwasserphase Schwimmen entscheiden maßgeblich über Medaillen und Platzierungen.
Born et al. (2024, Sports Biomechanics) untersuchten Wendeleistungen aller acht Finalisten in sämtlichen olympischen Schwimmstrecken.
Die Analyse der 5- und 10-Meter-Splittimes bestätigt: Schnellere Wenden erklären einen wesentlichen Teil der Gesamtzeit – unabhängig von der Streckenlänge.
Die 60-Prozent-Regel im Kurzbahn-Pool: Atkison (2010) hält fest: Im 25-Meter-Kurzbahn-Pool können bis zu 60 % der Renndistanz auf Unterwasserphasen entfallen.
Das bedeutet: Wer die Unterwassertechnik nicht beherrscht, kämpft auf mehr als der Hälfte der Strecke mit einem strukturellen Nachteil.
Polach et al. (2021, BMC Research Notes) analysierten 1500-m-Freistilrennen bei Weltmeisterschaften.
Ihr Ergebnis: Die Wendeleistung – nicht die reine Schwimmgeschwindigkeit – macht den entscheidenden Unterschied zwischen Weltklasse und Weltspitze aus.
Hydrodynamischer Vorteil der Unterwasserphase
Hydrodynamischer Vorteil unter Wasser: An der Wasseroberfläche erzeugt der Körper Wellenwiderstand (wave drag), der überproportional ansteigt.
Unter Wasser entfällt dieser Widerstand. Nakashima (2009) belegt: Die Delphinbewegung erzielt eine höhere Vortriebseffizienz als jede Oberflächentechnik.
Unterwasser schneller als über Wasser: Laut Wądrzyk et al. (2017) liegt die Unterwassergeschwindigkeit beim Delfinschlag bei 1,08 m/s.
Das übertrifft regelmäßig die Oberflächengeschwindigkeit in der freien Schwimmphase.
Kein Wunder, dass Olympiasieger wie Michael Phelps oder Adam Peaty die volle 15-Meter-Unterwasserphase als feste Waffe in ihrem Rennarsenal einsetzen.
Die Rollwende: Technik und Zeitverlust
Die Wende und Unterwasserphase Schwimmen beginnt mit der Rollwende (Flip Turn). Sie ist die häufigste Wendetechnik im Freistil und Rücken und besteht aus vier Phasen:
- Ansteuern der Wand – Geschwindigkeit halten, Atemzyklus anpassen
- Rollbewegung – Vorwärtsrolle mit Rotation, Füße landen explosiv an der Wand
- Abstoß (Push-off) – maximale Kraft in kürzest möglicher Zeit, Streamline-Haltung einnehmen
- Unterwasserphase – Delfinschläge bis zum Auftauchen
Zeitanalysen zeigen: Der gesamte Wendevorgang – von 5 m vor bis 5 m nach der Wand – dauert bei Eliteschwimmern zwischen 3,0 und 4,5 Sekunden.
Selbst kleine Technikmängel (schlechter Ansteuerkurs, zu kurze Abstoßkraft, ungünstige Streamline-Position) summieren sich über ein 200- oder 400-m-Rennen zu mehreren Sekunden Gesamtverlust.
Häufige Fehler in Wende und Unterwasserphase Schwimmen
Wende und Unterwasserphase Schwimmen – hier passieren die meisten Technikfehler. Folgende sind besonders typisch – sowohl bei Nachwuchs- als auch bei fortgeschrittenen Vereinsschwimmern:
- Abbremsen vor der Wand: Viele zögern den letzten Armzug – das kostet Anfahrtsgeschwindigkeit und kinetische Energie für den Abstoß.
- Schwache Streamline-Position: Hände falsch, Kopf nicht neutral, Hüfte durch – jede Abweichung erhöht den Wasserwiderstand.
- Zu früh auftauchen: Das vorzeitige Aufbrechen der Unterwasserphase gibt den hydrodynamischen Geschwindigkeitsvorteil leichtfertig auf.
- Asymmetrische Delfinschläge: Atkison et al. (2014) belegen: Sagittale Asymmetrie reduziert die Vortriebseffizienz signifikant.
- Flutter Kick statt Dolphin Kick: Takeda et al. (2022) zeigen: Flutter Kick in der Wendephase verlangsamt messbar – Delphinschlag ist klar überlegen.
Wende und Unterwasserphase Schwimmen: Trainingstipps zur Verbesserung
Gezieltes Training für Wende und Unterwasserphase Schwimmen ist der schnellste Weg zu besseren Zeiten.
Die gute Nachricht: Die Unterwasserphase ist eine der am besten trainierbaren Komponenten im Schwimmsport. Folgende Trainingsansätze sind wissenschaftlich fundiert und bewährt:
Regelmäßiges Unterwassertraining – Strecken von 10 bis 15 m rein unter Wasser mit maximal kraftvollen Delfinschlägen, mehrmals wöchentlich in jede Trainingseinheit integriert.
Wenden-Serien – Wiederholungsübungen mit je 4–6 Wenden am Stück, fokussiert auf Technik (Abstoßkraft, Streamline, Tauchtiefe, Auftauchpunkt).
Technische Hilfsmittel und spezifische Übungen
Videoanalyse – Unterwasserkameras offenbaren Haltungsfehler in der Streamline-Position, die dem Schwimmer selbst nicht spürbar sind.
Krafttraining im Trockenen – Core-Stabilität, Gluteus-Muskulatur und Fußgelenksmobilität sind entscheidende Faktoren für einen effizienten Delphinschlag.
Clothier (2004) zeigte: Gezieltes Delphinschlag-Training nach der Wende verbessert die Wendeleistung signifikant – auch bei bereits trainierten Schwimmern.
Bedeutung von Wende und Unterwasserphase Schwimmen für das Gesamtrennen
Wende und Unterwasserphase Schwimmen – was bedeutet das konkret für die Gesamtzeit?
Bei einem 100-m-Freistilrennen im 50-m-Becken (Langbahn) gibt es eine einzige Wende. Studien zufolge entfallen auf Wende plus Unterwasserphase rund 15–20 % der Gesamtrenndauer.
Ein Schwimmer mit 50 Sekunden verbringt also rund 7–10 Sekunden in diesem Segment – in dem er kaum Armzüge macht.
Kurzbahn und Langstrecke: Der kumulierte Zeitvorteil
Im 50-m-Kurzbahn-Becken mit drei Wenden kann dieser Anteil auf über 50–60 % steigen.
Hier ist die Wendeleistung nicht mehr ein Faktor unter vielen – sie ist der Faktor.
Auf Langstrecken summiert sich der Effekt: 0,3 Sekunden Verlust pro Wende ergeben über 29 Wenden (1500 m) fast 9 Sekunden – eine Ewigkeit im Wettkampfschwimmen.
Fazit: Wende und Unterwasserphase Schwimmen – das unterschätzte Geheimnis
Wende und Unterwasserphase Schwimmen – das ist kein schmückendes Beiwerk im Training.
Es handelt sich um ein eigenständiges Teilstück des Rennens, das eigenen biomechanischen Gesetzen gehorcht, intensiv trainiert werden muss und direkt über Zeiten und Platzierungen entscheidet.
Wende und Unterwasserphase als Trainingsthema im Verein
Wer die Rollwende sauber und explosiv ausführt und die Streamline-Position perfektioniert, kann ohne einen einzigen zusätzlichen Armzug Sekunden gewinnen.
Die erlaubten 15 Meter Unterwasserstrecke sind reines Zeitpotenzial – rein durch technische Überlegenheit in einem Bereich, den viele im Training stiefmütterlich behandeln.
Beim White Sharks e.V. trainieren wir die Unterwasserphase gezielt in jeder Schwimmeinheit – weil wir wissen: Rennen werden nicht nur auf dem Wasser gewonnen.
Anhang: Wissenschaftliche Quellen und Nachweise
Die folgenden Studien bilden die wissenschaftliche Grundlage dieses Artikels.
Alle Quellen sind in internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review erschienen und über die angegebenen DOI-Links öffentlich zugänglich.
Primärquellen – Wendeleistung und Rennanalyse
- Morais et al. (2020). Start/turn/finish in 100–200 m. DOI | PubMed
- Morais et al. (2019). Start/turn – 2016 EU Championships. DOI | PubMed
- Born et al. (2024). Start/turn – elite male swimmers. DOI
- Polach et al. (2021). Turn performance in 1500 m WM. DOI | PMC
- Cuenca-Fernández & Ruiz-Navarro (2022). Turn performance variation. DOI | MDPI
Primärquellen – Unterwasserphase und Delphinschlag
- Atkison et al. (2014). Sagittal kick symmetry – UDK. DOI | PubMed
- Takeda et al. (2022). Flutter kick causes deceleration at turns. DOI | PubMed
- Wądrzyk et al. (2017). Dolphin kicks – kinematic analysis. DOI | Termedia
- Nakashima (2009). Trunk undulation – underwater dolphin kick. DOI | J-STAGE
- Ikeda et al. (2021). Dolphin kick velocity in undulatory swimming. DOI | PubMed
- Clothier (2004). Underwater kicking – freestyle tumble-turn. ResearchGate
Übersichtsartikel und weiterführende Literatur
- Gonjo & Olstad (2021). Race analysis – review. DOI | MDPI
- Jones (2023). Key Variables – Underwater Dolphin Kick. MMU e-space
- Rütschi (2022). Analyse Start/Wende/Schwimmleistung. sonar.ch
Alle Links wurden zuletzt am 16.6.2026 geprüft. Für die Verwendung im wissenschaftlichen Kontext empfehlen wir den direkten Zugriff über die angegebenen DOI-Links.